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Gehen wir in den Spuren Adolph Kolpings in den Schuhen unserer Zeit

Bundespräses Josef Holtkotte
Bundespräses Josef Holtkotte

Festpredigt von Bundespräses Josef Holtkotte zum 125jährigen Jubiläum in Burghaun

Im Rahmen des Festgottesdienstes zum 125jährigen Jubiläum der Kolpingsfamilie Burghaun wandte sich Bundespräses Josef Holtkotte in einer vielbeachteten Festpredigt an die zahlreichen Gottesdienstbesucher. Er bezeichnete Adolph Kolping als wahren Heiligen, auch wenn er momentan nur selig gesprochen worden ist. Holtkotte forderte dazu auf, im Geiste Adolph Kolpings in seinen Schuhen unterwegs zu sein und seine Ideen  heute umzusetzen. Lasst uns Schuhe mit Profil tragen.

Zum vollständigen Predigttext:


Predigt: Bundespräses Josef Holtkotte

125 Jahre Kolpingsfamilie Burghaun

06.05.2018

 

Liebe Kolpingschwestern und Kolpingbrüder, liebe Schwestern und Brüder,

Wer 125 Jahre alt wird, wer sein 125-jähriges Jubiläum feiert, wie die Kolpingsfamilie Burghaun in diesem Jahr, kann dies nur tun, wenn er seinem Auftrag treu geblieben ist, wenn er nach all den Jahrzehnten nicht vergessen hat, wo die eigenen Wurzeln liegen, wenn die Grundideen – und Überzeugungen in all den Jahren lebendig übersetzt wurden. 

Deshalb möchte ich heute auf unsere Grundlagen schauen, auf Adolph Kolping selbst, auf das, was er wollte, auf unseren Glauben und unsere Überzeugungen und damit Mut machen für viele weitere Jahre. 

Liebe Kolpingschwestern und Kolpingbrüder, liebe Schwestern und Brüder,

Was ist der Unterschied zwischen einem Star und einem Heiligen?

Stellen wir uns vor, wir seien mitten drin in einer kreischende Menge von Fans, die alle ihre überschwängliche Hoffnung auf diesen Star werfen -und nur Eines wollen: ein wenig Angesehen-Werden, ein Autogramm, einen Zipfel seiner Kleidung oder gar ihn selbst berühren, eine Sekunde Ewigkeit ... Der Star bleibt zum Greifen nah, ist leidenschaftlich bei der Sache und doch er ist unberührbar, entrückt. Er bleibt wie durch einen Lichtkranz von seiner Kultgemeinde getrennt. Wir sehen eine gigantisch blinkende, hoch professionelle Inszenierung, die nichts dem Zufall überlässt. 

Stars brauchen künstliches Licht, damit ihr Licht leuchten kann. 

Liebe Schwestern und Brüder, 

ganz anders die Heiligen: Sie stehen im Scheinwerferlicht Gottes. Sie binden unsere Gefühle und Leidenschaften nicht an sich, sie weisen über sich hinaus auf Gott hin… 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

die christliche Botschaft sucht Begeisterte, die sich mit dem auferstandenen Christus sehen lassen und seine Lebensmelodie live und mit ihrer unverwechselbaren Stimme weiter singen; und die Heiligen suchen Nachahmer. Christus selbst sucht Nachahmer: Überzeugte und überzeugende Christinnen und Christen! 

 

Die Heiligen würden abwinken, wenn sie den modernen Starkult sähen. Heilige sind keine Unterhaltungskünstler. Sie zerstreuen nicht, sondern konzentrieren.

Heilige sind nicht auf der ständigen Suche nach Anerkennung. Sie wollen mich nicht nur von Zeit zu Zeit in wohlige Stimmung versetzen oder in Ekstase bringen, sondern wirkliche Begleiter sein, die auf Christus hinweisen.

Liebe Schwestern und Brüder, nicht beim inszenierten Starruhm, sondern beim Blick auf die wirklich Heiligen kommen wir Adolph Kolping schon sehr nah. Er konzentriert. Er verdeutlicht. Er ist authentischund echt

Ein wahrer Heiliger, auch als Seliger. 

Wenn wir ihn richtig verstehen, schauen wir auch mit seinem Blick in unsere Welt. In diese konkrete Welt mit ihren Kriegen und Nöten, wir schauen zu den Menschen, die missachtet und ihrer Würde beraubt werden; wir sehen die Vertriebenen und die Geflüchteten, die Entwurzelten und ungerecht behandelten. Wir schauen auf das Leid und die Ohnmacht. All das ist unsere Wirklichkeit.

Als Kolpingwerk machen wir uns die Freude und Hoffnung, die Sorgen und Enttäuschungen der Menschen zu eigen. In Zeiten der Flucht hoffen Menschen auf Zuflucht. In Zeiten des Krieges braucht der Frieden Verteidiger. Netzwerken der Gewalt setzen wir Netzwerke der Versöhnung gegenüber.

Das Kolpingwerk ist in mehr als 60 Ländern der Welt vertreten. Menschen aus verschiedenen Generationen, aus allen gesellschaftlichen Gruppen, in unterschiedlichen Lebensformen, als Familien, Verheiratete und Alleinstehende, katholische und evangelische Christen und alle, die die Ziele unseres Verbandes bejahen können, gehören dazu. 

Deshalb gehört zu unseren Zielen auch die Verständigung zwischen den Menschen unterschiedlicher Nationen in unserem Land und die Partnerschaft mit anderen Ländern.

Bei einer solchen Vielfalt erwarten wir von allen die Bereitschaft, einander zu verstehen und vom anderen zu lernen. Das Kolpingwerk versteht sich als Teil der katholischen Kirche. In Verbindung mit ihr wollen wir unseren Glauben im konkreten Alltag leben. Darin ist uns Adolph Kolping ein wichtiges Vorbild. Glauben im Hier und Jetzt. In dieser gebrochenen Welt -wir haben keine andere! – sie ist unser Lebens-und Glaubensraum

Adolph Kolping lebte seinen Glauben konkret dadurch, dass er ein waches Herz für die Nöte und Probleme seiner Zeit hatte. Für ihn gehörte das Bekenntnis zu Gott und der Dienst an den Menschen untrennbar zusammen. Kolping trifft den Nerv der Zeit. Das Fundament muss stimmen. 

Deshalb treten wir ein für all das, was uns in der Welt, in Europa, in unserer Kirche verbindet, was unsere grundlegenden Werte sind. 

Für uns alle heißt das: Miteinander! Auf gemeinsamem Weg! Gott stärkt unseren Glauben dazu! In der Spur Adolph Kolpings sind wir unterwegs. In seinen Schuhen bewegen wir uns durch unsere Zeit in die Zukunft hinein. Das wird gerade heute deutlich, wenn wir 125 Jahre Kolpingsfamilie Burghaun feiern. 

Liebe Kolpingschwestern und Kolpingbrüder, liebe Schwestern und Brüder, 

Adolph Kolping hat als Schuhmacher gearbeitet. Als Geselle war er unterwegs. In einer harten, fordernden Zeit, mitten im 19. Jahrhundert. 

Im Geiste Adolph Kolpings wollen wir unterwegs sein. Heute und immer. In seinen Schuhen. Seine Ideen auch heute umsetzen. 

In geschichtlicher Verantwortung geben Menschen neue Impulse, wird für die Zukunft gehandelt. Das braucht Mut, Entschlossenheit und Vision. Denn Gottvergessenheit, ja auch Geschichtsvergessenheit und – ja auch - Menschenvergessenheit sind Zeichen unserer Zeit. Das erleben wir täglich.

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn man dieses Bild von den Schuhen richtig versteht, geht es also darum, mitzuhelfen, das, was Adolph Kolping wichtig war, seine Ideen, in unserer Zeit umzusetzen, immer wieder zu fragen: 

"Was heißt: 'Im Geiste Adolph Kolpings' in unserer Zeit?" oder: "Wie kann eine Kolpingsfamilie ihren Auftrag in der konkreten Gemeinde, den Herausforderungen heutiger Pastoral in strukturellen Veränderungen erfüllen?“ oder: „Wie kann der Einzelne heute Glauben leben?“ oder: "Wie können wir die Anliegen Kolpings in unsere Zeit übersetzen?" 

Das ist gerade das Heilige an Adolph Kolping: Er hilft uns so passgenau in die Welt zu schauen. Nicht im Bühnenlicht eines selbstverliebten Stars, sondern im Glaubenslicht Gottes für die Menschen.

Das bedeutet mir Kolping: Vertrauen zueinander haben, Glaube und Leben miteinander teilen, Bildung und Aktion durchführen, ein Verband von Jung und Alt zu sein und Menschen und Inhalte zu verbinden. Der Glaube gehört in die Mitte der Gesellschaft. Er soll prägen und gestalten und zwar einladend und motivierend. 

Miteinander Kolping sein heißt im Grunde genau das, wie es Adolph Kolping ausdrückte: „Wer Menschen gewinnen will, muss sein Herz zum Pfande geben“. Jeder bringt letztlich das ein, was wirklich in ihm steckt – bedeutet dies.

Viele Kolpingschwestern und Kolpingbrüder habe ich kennen gelernt, deren Herz im Geiste Adolph Kolpings gefüllt war und die ihre Einstellungen zum Wohl der Kolpingsfamilie, der Gemeinde, der Gesellschaft, der Kirche einbrachten. Das ist auch hier in Burghaun so. 

Dazu gehört immer die christliche Grundeinstellung, der Einsatz für Benachteiligte, kritische Anteilnahme an sozialen Entwicklungen in unserer Zeit, das Denken in internationalen Kategorien. Das alles sind die Schuhe, in denen das Kolpingwerk geht. 

Adolph Kolping hat selbst mit seiner Hand Schuhe gefertigt. All das zu erreichen, was er uns vorgelebt hat, ist vielleicht eine Nummer zu groß für uns, aber für Schuhe gibt es Einlagen: der gute Wille, das gute Herz, der gute Rat, die gute Tat. 

Als Kolpingwerk auf dem Weg zu sein heißt nicht, alles perfekt umsetzen zu können, es heißt aber, Maß zu nehmen am Schuhmaß Adolph Kolpings. 

Kolping`s Ideen zu leben heißt, in einer herausfordernden Zeit, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen. Menschen ernst zu nehmen! 

Und dazu brauchen wir weniger Bedenkenträgerund mehr Bannerträger!!! Wir brauchen keine lähmende Larmoyanz, sondern gelebtes Gottvertrauen. 

Liebe Schwestern und Brüder,

In allem, was wir planen und bedenken, brauchen wir den Seligen Adolph Kolping, damit der Schuh doch richtig passt. Das Kolpingwerk ist auch eine Gebetsgemeinschaft, eine geistige Verbundenheit unter der Fürsprache des Seligen Adolph Kolping. 

Herzlich lade ich ein, solche Schuhe anzuziehen. Es sind keine Siebenmeilenstiefel die schnell und oberflächlich einherschreiten. Manchmal sind es vielleicht eher kleine Schritte, die wir tun. Aber es sind Schritte mit den richtig passenden Schuhen, die vorwärts tragen. Schuhe mit Profil.

Es ist der Einsatz in einem bodenständigen Verband, der die Zeichen der Zeit erkennt und dann handelt. 125 Jahre ist die Kolpingsfamilie Burghaun in solchen Spuren und solchen Schuhen unterwegs und wird es auch weiterhin bleiben. 

Liebe Schwestern und Brüder, 

Heilige sind keine aus sich selbst heraus leuchtenden Fixsterne. Sie haben Charisma und haben sich dazu rufen lassen, das Gewöhnliche ungewöhnlich gut, aufmerksam und selbstvergessen zu tun. Nicht immer waren sie Gipfelstürmer und manche sind auch zu Lebzeiten gescheitert. Von ihnen geht eine unwiderstehliche Aura aus. Sie haben begeistert. Sie lassen auch uns leichter an Christus glauben. Heilige sind keine sterblichen Götter. Ihr Leben sagt:

Vergesst nie, dass wir sind, was auch ihr seid: Von Gott

 geliebte und von Christus überzeugte Menschen.

 Menschen auf Augenhöhe, an die man "herankommen" kann; die mehr als ihr Autogramm an uns verteilen und mehr erhoffen als unseren Applaus: nämlich unser Vertrauen, unsere Fürbitte. In Adolph Kolping sehe ich einen solchen Heiligen, der nicht weniger als sich selbst gibt und damit alles schenkt.

Liebe Kolpingschwestern, liebe Kolpingbrüder, liebe Schwestern und Brüder,

„Wer Menschen gewinnen will, muss sein Herz zum Pfande geben.“ Das zeigt erdverbundenen Glauben, der aus der Mitte des Menschen kommt. Darin liegt wirkliches Suchen und Fragen. Lassen wir unsere Herzen mit Glauben an Gott anfüllen, mit Hoffnung und Liebe. Gehen wir in den Spuren Adolph Kolping´s in den Schuhen unserer Zeit auf den Straßen des Lebens. Dann sind wir richtig unterwegs: Gott entgegen. Amen.

 

 

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