Zum Auftakt ihres Jubiläumsjahres hat die Kolpingsfamilie Großentaft das 130. Stiftungsfest gefeiert. Nach dem Gottesdienst zu Ehren des Heiligen Sebastian und zum Gedenken an die verstorbenen Mitglieder stellte sich Pfarrer Markus Günther im Rahmen der Festversammlung den Fragen von Josef Richter.
Unter dem Motto „Was tun, Herr Pfarrer Günther?“ bekamen die Zuhörer persönliche und berufliche Einblicke in das Leben und Wirken ihres Pfarrers. Er erzählte von seiner Passion für das Bergsteigen, die ihn schon bis zum höchstgelegenen Gipfelkreuz in die südamerikanischen Anden führte. Während seines Theologiestudiums in Salzburg hatte er diese Leidenschaft für sich entdeckt. Ähnlich wie ein Bergsteiger benötige ein Priester Ausdauer, einen langen Atem und Anpassungsstärke an verschiedene Bedingungen, verglich Günther. „Gelernt habe ich dabei, Dinge auch mal aus der Distanz von oben zu betrachten.“
„Ich bin Priester geworden, weil mich der liebe Gott dazu berufen hat“, ist der Geistliche überzeugt, obwohl er nie Messdiener war und eine Zeit lang nicht am Religionsunterricht teilnahm. Nach dem Abitur entschied er sich zunächst dafür, Polizist zu werden. Doch nach und nach festigte sich sein Wunsch, sich in den Dienst der Kirche zu stellen. Sein Priesteramt fordert ihn täglich, dennoch hat er seine Entscheidung nie bereut. Er lebt seinen Beruf aus tiefster Überzeugung. Die katholische Kirche ist für ihn kein Auslaufmodell. „Wir haben mit dem Evangelium eine gute und klare Botschaft, die wir aber besser kommunizieren müssen“, betonte Pfarrer Günther
Von dem neuen Papst Leo XIV. erwartet er, dass dieser die Kirche eint. Auch für Frieden und Versöhnung sollte das Oberhaupt der katholischen Kirche eintreten: „Die Kirche sollte als Instanz das Gewissen für die Welt sein“, wünscht er sich.
Mit Blick auf die Kirche in Deutschland sieht er den synodalen Weg durchaus kritisch, weil die Anliegen der Weltkirche in den Lösungsansätzen zu wenig beachtet würden. „Man muss besser aufeinander hören und zuhören“, so der Geistliche, um die Vielfalt der Möglichkeit im internationalen Kontext zu erkennen. Bei allem Reformwillen sei es wichtig, sich immer wieder auf das Zentrum des Glaubens, auf Jesus Christus und seine Botschaft zu beziehen.
Aufgrund von Kirchenaustritten und Priestermangel werde im Bistum Fulda die flächendeckende Pastoral wegbrechen. Allein in seinem Pastoralverbund gibt es 28 Kirchengebäude. „Die Kirchen sind Gebetsräume auch außerhalb des Gottesdienstes, die die Gläubigen vor Ort mitgestalten müssen.“
Pfarrer Günther ist sich sicher, dass es in Zukunft neue, lebendigere Formen der Glaubensverkündung geben wird mit Jesus Christus im Mittelpunkt. Daher blickt er hoffnungsvoll nach vorne: „Die Botschaft Jesu wird sich wieder in die Herzen der Menschen einpflanzen.“ Josef Richter teilt den positiven Blick in die Zukunft mit einem Zitat von Adolph Kolping: „Die Zukunft gehört Gott und den Mutigen“.
Mitgliederehrungen
Anschließend ehrte Josef Richter verdiente Mitglieder der Kolpingsfamilie Großentaft. Für 25 Jahre: Markus Kircher und Dagmar Neumeier-Veltum, für 50 Jahre: Reinhold Trabert, für 60 Jahre: Günter Pilz.