Aktuelle Berichte

Menschenwürdige Pflege – wie können wir das in Zukunft leisten?

Kolping will sich den aktuellen Herausforderungen stellen - Auftaktveranstaltung der Reihe "Was die Menschen bewegt!"

„Pflege ist nicht sexy“, trotzdem müssen wir uns aktiv damit auseinandersetzen. Derzeit sind in Deutschland rund 2,5 Mio. Menschen pflegebedürftig. Bis zum Jahr 2050 wird sich aufgrund des demografischen Wandels die Zahl der Pflegebedürftigen verdoppeln.  


Eine Zukunftsfrage, der sich auch das Kolpingwerk als  Sozialverband mit seinen ca. 4.500 Mitgliedern in 58 Kolpingsfamilien im Bistum Fulda aktiv stellt. Zum Auftakt fand eine engagierte Diskussion von Kolpingmitgliedern, Gästen und Experten aus Politik, Pflegewissenschaft und Praxis statt.

Moderator und Pflegewissenschaftler Dr. Lukas Slotala warf zu Beginn die Frage auf, wie sich der vielzitierte Fachkräftemangel in der Praxis auswirkt. Frau Annegret Müller von der Pflegedienstleitung Caritas St. Josef Fulda legte dar, dass der Fachkräftemangel schon heute ganz markant ist und sich in der vollstationären ebenso wie in der ambulanten Pflege durch häufigen Personalwechsel und freie Stellen bemerkbar macht. Dies wird sich bei einer immer älter werdenden Bevölkerung in Zukunft verschärfen.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete  Willi Zylajew machte deutlich, dass dieses Problem viele Ursachen hat, die von fehlenden Ausbildungsplätzen über unterschiedliche Fachkraftquoten in den jeweiligen Bundesländern bis hin zu Verdienstmöglichkeiten und der Einstellung der Gesellschaft zum Berufsbild der Altenpflege gehen. 

Ein Diskutant aus dem Publikum stellte die Frage, ob junge Menschen in der Phase der Berufswahl überhaupt eine realistische Vorstellung von Pflege und Betreuung alter Menschen hätten  bzw. vermittelt bekämen. Ggf. würde ein verpflichtendes Jahr für alle junge Menschen eine Lösung darstellen, was auch schon  auf Bundesebene diskutiert würde.  Klar wurde dabei, dass die Lösung des Fachkräftemangels nur in einer gemeinsamen gesellschaftlichen Anstrengung gelingt und in einem klaren politischen Auftrag zum Ausdruck kommt.  

Doch nach wie vor wird die Mehrheit der Pflegebedürftige zu Hause versorgt. Politisch ist dies auch in Zukunft so gewollt. Doch was heißt das für die Betroffenen und Ihre Angehörigen? In sehr  persönlichen Schilderungen aus dem Publikum berichteten Kolpingmitglieder  über ihre eigenen körperlichen und seelischen Belastungen in der häuslichen Pflege. Diese entständen aus der Notwendigkeit einer Präsenz teilweise rund um die Uhr. Familie, Freundeskreis und Beruf seien damit nur schwer zu vereinbaren. Andererseits erzählten sie, dass ihre pflege- und betreuungsbedürftigen Angehörigen ebenfalls Ängste vor der eigenen Hilflosigkeit entwickelten und Wünsche für das eigene Lebensende hätten,  die oft nur schwer zu erfüllen seien. Aus Sicht der pflegenden Angehörigen seien daher professionelle Hilfe, Unterstützung aus dem Umfeld und Austausch mit anderen Betroffenen extrem wichtig.  Dies mache deutlich, dass Pflege zu Hause nicht die einzige Lösung sein könne. Vielmehr brauche es ein gutes Zusammenspiel mit ambulanter und stationärer Pflege.

 

Die Ergebnisse der Auftaktveranstaltung zeigten auf, dass das Thema „Pflege“ in jede Kolpingsfamilie gehört. Dort muss Bewusstsein für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe geschaffen werden, die nicht nur die Politik sondern auch jeden Einzelnen vor Ort  betrifft – sei es als Betroffenen oder als unterstützendes Umfeld.  Hierzu wird das Referat „Politik und Gesellschaft“  Arbeitshilfen für unterschiedliche aktive Ansätze vor Ort zur Verfügung stellen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen