Aktuelle Berichte

Ölbergstunde

Die Nacht der verlöschenden Lichter

Impulse aus der Praxis – Referat Spiritualität und Kirche


Personen:                   12 Sprecher

 

Alter:                           Teilnehmer aller Altersgruppen

 

Vorbereitungszeit:      ca. 30 Minuten

 

Dauer:                        ca. 60 Minuten

 

Ort:                             Kirche oder im Freien z. B. Garten

 

Material:                    10 kleine und 1 große Kerze

                                   Texte für Sprecher

            Funkhandmikrofon

            Evtl. Olivenbaum

 

Lied:                           GL 286 „Bleibet hier und wachet mit mir“

                       

Beleuchtung:             Farbige Strahler im Kircheninnenraum

 

 

 

Die  „Nacht der verlöschenden Lichter“ nimmt Bezug auf einen Brauch, den Dietrich Bonhoeffer in St. Petrus in Rom kennengelernt und über den er in einem Brief aus der Haft berichtet hat:

Eine Gruppe von 10 Personen, Männer und Frauen verdeutlicht in ihren Sprechrollen als Freunde und Freundinnen Jesu, warum sie ihn verraten, verleugnet oder verlassen haben. 10 Kerzen auf dem Altar werden nach und nach gelöscht. Nur die Christuskerze brennt am Ende noch.

Dadurch stehen die Gottesdienstbesucher mitten im Geschehen und können sich mit dem ein oder anderen identifizieren. Es wird spürbar, was in dieser Nacht eigentlich geschehen ist.

 

GRÜNDONNERSTAG

 

 

 

Ölbergstunde 2018

 

 

Die Nacht der verlöschenden Lichter

 

 

 

Personen / Sprecher:

Einleitung und Abschluss:     ______________________________

Miriam:                                   ______________________________

Petrus:                                               ______________________________

Johannes:                              ______________________________

Elisabeth:                               ______________________________

Jakobus:                                 ______________________________

Thomas:                                 ______________________________

Shoshanna:                            ______________________________

Maria aus Magdala:                ______________________________

Simon der Zelot:                     ______________________________

Johanna                                 ______________________________

Matthäus:                               ______________________________

 

Einleitung:

Es ist die Nacht nach dem letzten Abendmahl. Jesus ist mit seinen Jüngern hinausgezogen – an den Ölberg. Und er spricht zu seinen Freunden: „In dieser Nacht werdet ihr alle Anstoß an mir nehmen.“

Wir sind mit ihm gezogen an diesen Ort. Wir hören jetzt auf die Personen, die damals in dieser letzten Nacht Jesus begleitet und dann verlassen haben. Mirjam – eine enge Freundin Jesu - wird uns dabei geleiten.

Mirj        Miriam:

Sie haben ihn abgeführt. Soldaten mit Knüppeln und Schwertern. Er ließ sich gefangen nehmen, ohne jede Gegenwehr. Jesus unser Meister, dem wir alle nachfolgten. Auch ich, Mirjam, war unter den Jüngern. Drei Jahre waren wir zusammen. Und jetzt? Drei Jahre voller Hoffnung – ist das alles zu Ende?

Dort drüben, die anderen aus unserer Gruppe. Wie gelähmt stehen sie an der Mauer des Garten Getsemani. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, verängstigt, verbittert, ohnmächtig, voller Wut oder Zweifel. Sie blicken den Fackeln der Soldaten nach, die langsam den Berg hinunter verschwinden. Sie schauen Jesus nach. Gefangen in ihren Gedanken reden sie mit sich selbst. Dort hinten steht Petrus, geschlagen und ratlos. Er, der bisher doch immer wusste, wie es weitergehen kann. Was sind jetzt seine Gedanken?

Petrus:

Pe

Sieih a    Sie haben ihn einfach abgeführt. Er hat sich nicht gewehrt. Gott hat nicht eingegriffen.

 Hätte ich es tun sollen? Das Schwert war schon in meiner Hand. Die anderen haben nur auf meinen Wink gewartet.

»Felsenmann«, so hatte Jesus mich genannt, der, auf den er bauen kann. Ich war der Wortführer der anderen. Alle blickten auf mich. Ich hätte anfangen müssen. Ich wollte Jesus ja verteidigen. Schließlich bin ich ein Mann der Tat, kräftig, im besten Alter. Aber gerade er wies mich kurz und knapp zurecht: »Stecke dein Schwert an seinen Ort«, sagte er nur. Irgendwie mache ich alles falsch. Vorhin, im Garten, als Jesus im Gebet

um die rechte Entscheidung rang, bin ich eingeschlafen. Das war nicht meine Absicht, aber beten war nie meine Stärke. Stille halte ich kaum aus. Ja, so habe ich ihn allein gelassen. Und als die Stunde kam, war ich ganz überrumpelt und außer Fassung. Jetzt weiß ich, was ich hätte tun müssen. Dreimal hat Jesus es uns ans Herz gelegt. Wie schmerzlich klingt seine Bitte mir jetzt im Ohr!

 

Während er eine Kerze löscht, singt die Gemeinde zweimal: Bleibet hier und wachet mit mir...

 

Mi           Miriam:

Wir s       Wir sehen  zu Johannes hinüber. Er ist der Jüngste von uns.
              Ob er das Ganze begreifen kann?

 

Johannes:

ohan     

Wie stehe ich da? Ich, den man den Lieblingsjünger Jesu nennt. Gewiss, ich bin der Jüngste. Aber war ich nicht auch am meisten begeistert von ihm? Ich war immer an seiner Seite. Nie bin ich hinterher geblieben. Ich fand es großartig, sein Freund zu sein. Über alles konnte ich mit ihm reden. Jesus hat mich verstanden wie nie ein Mensch zuvor. Wenn ich mit ihm zusammen war, sah ich meine Probleme und die ganze Welt mit anderen Augen. Da gab es nichts mehr, was kaputt war, nichts mehr, wo man besser nicht hinschaute: Alles, auch der armseligste Krüppel und der dreckigste Bettler, wurde liebenswert und wichtig, wenn Jesus ihm begegnete. Wie kann einer, der so vielen Menschen Gutes getan, ihnen Sinn im Leben gegeben hat, einfach verhaftet und abgeführt werden? Ich kann das nicht fassen! Er hat uns doch gezeigt, was Liebe ist, was Leben heißt und wer Gott ist. Er war meine ganze Hoffnung. Und jetzt – diese Enttäuschung! Abführen ließ er sich wie der schlimmste Verbrecher. Kein Machtwort, kein Wunder, nichts. Das Grinsen der Soldaten, als sie ihn fesselten – ich werde es nie vergessen. Nein, das kann ich nicht aushalten. Ich muss weg hier, ich kann das nicht mit ansehen. Aber: wo soll ich hin – ohne ihn?

 

Während er eine Kerze löscht, singt die Gemeine zweimal. Bleibet hier und wachet mit mir...

 

Mirjam:

Dort drüben steht Elisabeth, die Mutter des Täufers Johannes. Sie ist schon sehr alt. Zuerst hat sie ihren Sohn verloren und jetzt auch noch Jesus. Sie spricht mit sich:

 

Elisabeth:

Ich weiß nicht, wie ich das jetzt auch noch ertragen soll. Ich fühle mich uralt und wie tot. So wie ihn haben sie damals auch meinen Sohn Johannes, den Täufer, abgeführt. Sie haben ihn ins Gefängnis gesteckt und schließlich getötet. Ich wäre an meinem Kummer gestorben, hätte ich nicht Jesus gehabt. Ich bin mit ihm gegangen, obwohl die Nachbarn spotteten. Durch seine Worte habe ich neue Hoffnung gewonnen. Mein Leben bekam wieder einen Sinn. Sogar der Tod meines einzigen Sohnes schien einen Sinn zu haben. Er hat ja auf Jesus hingewiesen. Und Jesus, so dachte ich, wird jetzt die Welt verändern. Dem sinnlosen Morden ein Ende bereiten. Deswegen habe ich auch trotz meines Alters die Mühe der Wanderschaft auf mich genommen. Aber jetzt haben die Soldaten auch Jesus abgeführt. Was bleibt mir jetzt? Bin ich doch falschen Hoffnungen nachgelaufen? War alles umsonst?

 

Während sie eine Kerze löscht, singt die Gemeinde zweimal: Bleibet hier und wachet mit mir...

 

Mirjam:

Jetzt sind sie mit Jesus fast verschwunden. Der Zug der Soldaten ist kaum noch zu sehen. Dunkelheit und Stille breiten sich wieder aus. Jakobus, Sohn des Alpäus, findet kaum Worte:

 

Jakobus:

Wie haben wir alle versagt: Petrus, Johannes und all die andern, auch ich! Wie stark haben wir uns gefühlt! Heimat, Elternhaus, Beruf – alles habe ich bedenkenlos aufgegeben um für immer bei ihm zu sein. Wie hätte ich auch ahnen können, was auf uns zukommt. Ich kann es immer noch nicht fassen: Jesus gefangen! Mein Leben hat einen Riss. Ich fühle mich elend, hoffnungslos und irgendwie schuldig. Wir haben ihn einfach den Soldaten überlassen. Tatenlos habe auch ich zugesehen. Feige war ich, hab’ mich zurückgezogen. Auf der anderen Seite: Warum hat Jesus sich ihnen so einfach ergeben? Warum ist er ihnen geradezu entgegengegangen? Er kennt seine Feinde und gibt sich ihnen preis – warum? Für mich ist das ein Rätsel. Oder habe ich etwas nicht verstanden?

 

Während er eine Kerze löscht, singt die Gemeinde zweimal: Bleibet hier und wachet mit mir...

 

Mirjam:

Wir alle verstehen nicht, warum Jesus das zugelassen hat. Und wir verstehen uns selber nicht. Und wenn wir uns fragen: »Was will er jetzt von uns?« müssen wir uns eingestehen: »Wir wissen es nicht!« Ratlos stehen sie da: Jakobus, der Bruder des Andreas, Philippus aus Betsaida, Bartolomäus und Thaddäus – sie sagen überhaupt nichts, sind nur verstört. Thomas findet Worte für das, was wohl auch ihnen durch den Sinn geht:

 

Thomas:

Erinnert ihr euch? Einmal, als einige Freunde uns verließen, da hat Jesus uns zusammengerufen und gefragt. »Wollt ihr auch weggehen?« Damals dachte ich: »Wie kannst du nur so fragen? Kennst du uns nicht besser?« Und Petrus sprach uns allen aus dem Herzen, als er sagte: »Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte es ewigen Lebens.« Aber was bedeuten uns noch seine Worte, jetzt, da er in ihren Händen ist. Wohin können wir in dieser Nacht gehen? Weiter ihm nach? Ich kann ja nicht einfach wieder nach Hause gehen und die letzten Jahre vergessen. Vergessen, wozu er uns berufen hat. Die Hoffnung begraben, die er uns eingepflanzt hat. Die Hoffnung, dass Gott mit uns ist. Ich weiß nicht weiter. Wenn Gott jetzt nicht eingreift, wenn sie Jesus zum Tode verurteilen – dann ist das wohl das Ende von allem oder?

 

Während er eine Kerze löscht, singt die Gemeinde zweimal: Bleibet hier und wachet mit mir...

 

Mirjam:

Seht da Shoshanna, eine junge Frau, fast noch ein Kind. Sie steht neben Andreas. Sie ist so mit ihren Gedanken beschäftigt, dass sie nicht bemerkt, wie Andreas und die anderen beiden hinter Thomas hergehen. Was ihr wohl durch den Kopf geht?

 

Shoshanna:

Auch ich gehöre zu ihm – endlich. Seit einem Jahr bin ich dabei. Schon mit zwölf wollte ich ihm folgen. Aber meine Eltern haben mich nicht gehen lassen. Freilich, sie waren Jesus dankbar: Als ich todkrank war, ist mein Vater Jairus zu Jesus gelaufen und hat ihn geholt. Und der hat mich ins Leben zurückgeholt. Damals wollte ich sofort mit ihm gehen. Aber Vater hat es verboten. Schließlich ist er Synagogenvorsteher. Darauf musste ich Rücksicht nehmen. Erst als Jesus wieder nach Kafarnaum kam, ließen sie mich gehen. Aber wo geht mein Weg jetzt weiter? Jetzt, wo Jesus abgeführt worden ist? Wohin soll ich jetzt noch gehen? Wo kann ich jetzt leben? Ich kann doch nicht einfach nach Hause zurück!

Halt, wo gehen denn die anderen hin? Nehmt mich mit! Ich gehöre doch zu euch. (verzweifelt) Lasst mich nicht einfach hier stehen! Ich brauche euch doch! Wartet!

 

Während sie eine Kerze löscht, singt die Gemeinde zweimal: Bleibet hier und wachet mit mir...

 

Mirjam:

Da läuft sie voller Verzweiflung in die Nacht. Armes Mädchen! Ihr neues Leben scheint zu Ende, kaum dass es begonnen hat. – Doch ist das nur bei ihr so? Stehen wir nicht alle am Ende unseres neuen Lebens?

Ganz da hinten am Rand ist Maria von Magdala. Auch sie war nicht von Anfang an bei uns. Jesus hatte sie von bösen Geistern befreit und dann blieb sie bei uns. Jetzt scheint sie wieder wie von Finsternis umgeben. Leise klagt sie vor sich hin:

 

Maria aus Magdala:

Einfach verhaftet haben sie ihn. Ich wollte dazwischentreten. »Halt!«,

wollte ich rufen. »Er hat doch nur Gutes getan.« Aber ich war wie gelähmt vor Angst. Es war wie damals, bevor ich Jesus traf. Damals waren meine Tage verdunkelt von ständiger Angst und Verzweiflung. Ich war wie gelähmt, mir fehlte zu allem die Kraft. Dann kam Jesus und war voller Verständnis und Wärme. Und ich erlebte die Gemeinschaft um ihn herum. Ich sah, wie sie miteinander lebten und alles miteinander teilten. Und ich hörte seine Predigt: »Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.« All das gab mir neuen Lebensmut. In mir begann ein Licht zu leuchten. Ich schloss mich schließlich Jesus und den Seinen an – aber jetzt? Lässt er mich jetzt wieder allein? Wird mein Leben wieder so trostlos wie früher? Muss ich wieder zurück nach Magdala? O weh, Dunkelheit und Angst greifen wieder nach mir...

 

Während sie eine Kerze löscht, singt die Gemeinde zweimal: Bleibet hier und wachet mit mir...

 

Mirjam:

Ich schaue auf Simon. Was geht in ihm vor? Er stand immer im Zwiespalt zwischen den Zeloten und Jesus. Lange war er bei den Zeloten gewesen, die die Römer mit Gewalt aus dem Land jagen wollen. Eigentlich hat Simon von Jesus erwartet, dass er genau das tun würde. In letzter Zeit hielt er es kaum mehr aus, genau wie Judas Iskariot. Sie wollten, dass Jesus endlich handelt. Ich glaube, Simon ist ziemlich wütend:

 

 

 

 

 

Simon: 

Dass unsere Bewegung einmal so enden würde, das hätte ich nie gedacht. Er lässt sich einfach gefangen nehmen! Dabei wollte er doch das gleiche wie die Zeloten: Frieden und Gerechtigkeit! »Selig sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.« - Das waren seine Worte! Aber Frieden gibt es erst, wenn wir die römischen Besatzer verjagt haben. Er hätte uns zum Kampf gegen sie führen können. Doch als es darauf ankam, hat er uns sogar verboten, das Schwert zur Hand zu nehmen: »Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen«, sagte er. Ja glaubt er denn wirklich, das Reich Gottes könne man ohne jede Gewalt aufrichten?

Jesus – Messias! Alle meine Hoffnungen hatte ich auf ihn gesetzt! Judas auch, ich weiß es. Er hat Jesus doch nicht verraten, damit sie ihn umbringen. Ihn herausfordern, ihn endlich zum Handeln zwingen – das wollte er! Wer hätte denn gedacht, dass Jesus es wirklich ernst macht mit einem aberwitzigen Wort: »Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem halte auch noch die andere hin.« - Kein Widerstand, keine Gegenwehr! Sich fesseln lassen und abführen, unfassbar! Ach, wenn mich doch die Nacht verschlingen würde. Der neue Tag ist ohne Sinn für mich. Der Traum ist ausgeträumt. Vorbei die Hoffnung auf Freiheit für unser unterdrücktes Volk.

 

Während er eine Kerze löscht, singt die Gemeinde zweimal: Bleibet hier und wacht mit mir ...

 

Mirjam:

Wie anders Johanna. Sie hat nicht den großen Umsturz von Jesus erwartet. Sie hat seine Aufmerksamkeit für das Kleine und Alltägliche geschätzt. Vor einem Jahr etwa hat sie, die Frau des Verwalters Chuzas, die Gesellschaft des königlichen Hofes von Herodes Antipas verlassen und ist zu unserer Gemeinschaft gekommen. Jetzt steht sie wie angewurzelt da.

 

Johanna:  

Wieder bricht meine Welt zusammen. Vor einem Jahr erst habe ich Chuzas, meinen Mann, verlassen. In der Hofgesellschaft konnte ich nicht mehr länger leben. Ich musste immer eine Rolle spielen, nie war ich ich selbst. Und das macht mit der Zeit krank. Dann, als ich einmal bei meiner Schwester in Kapernaum war, traf ich Jesus. Noch nie war ich einem Menschen begegnet, der so sehr er selbst war, der durch seine Ausstrahlung Menschen verändern konnte. Ich habe es selbst gesehen, wie Menschen durch ihn in Bewegung kamen. Auch mich brachte er in Bewegung, ich ging einfach mit. Was ich bei ihm fand? Ganz einfach: Ich habe mich selbst gefunden! Mich, ohne Launen und Langeweile, unbekümmert in einer lebendige Gemeinschaft. Hier teilten Männer und Frauen alles miteinander; auch ich konnte meine Möglichkeiten anderen zugutekommen lassen. Nie hat jemand von mir verlangt, mein Vermögen einzubringen. Das war meine freie Entscheidung. Aber jetzt, ist jetzt all das wieder zu Ende? Was werden sie mit Jesus tun? Im Gefängnis gibt es kein Recht! Da gibt es nur die Stimmungen der Mächtigen, aufgrund derer jemand geopfert wird. Ich weiß noch, Johannes der Täufer wurde aus purer Lust und Laune enthauptet. Wer weiß, was mir droht, wenn sie mich hier finden. Da nützt es mir nichts, dass ich Angehörige des Hofes bin: In ihren Augen habe ich mich mit einem Staatsverräter solidarisiert! Ich will aber nicht ihr Opfer werden. Nichts wie weg hier!

 

Während sie eine Kerze löscht, singt die Gemeinde zweimal: Bleibet hier und wachet mit mir ...

 

Mirjam:

Jetzt steht nur noch Matthäus da. Auch sein Leben hat durch die Begegnung mit Jesus eine Wende erfahren. Was wird er jetzt sagen?

 

Matthäus:

Wer bin ich denn noch, wenn Jesus fort ist und ich hier bleibe? Wer bin ich, wenn es kein Morgen mehr gibt? Damals, als Jesus bei mir eingekehrt ist, bei mir, dem Zöllner, damals habe ich radikal mit meiner Vergangenheit gebrochen. Er ist in mein Haus gekommen und hat mit mir gegessen. Alle konnten es sehen, dass er mich nicht verachtet. Er hat mich nicht verurteilt – und damit begann für mich ein neues Leben. Ich folgte ihm, und aus mir, dem Zöllner und Betrüger, wurde ein Jünger. Ich war froh und glücklich seitdem. Und jetzt? Ich kann doch nicht einfach zurück in mein altes Leben, zurück zum Zoll – nach all dem, was geschehen ist, nach allem, was ich gehört und erlebt habe. Jesus, mein Rabbi, ist nun alles zu Ende? Wer unterliegt in dieser Nacht? Du allein, Rabbi, oder ich mit dir? Ich spüre, wie Einsamkeit und Verzweiflung nach mir greifen. Soll ich einfach verschwinden, mich wieder klein und unsichtbar machen, vergessen, was ich in den letzten Jahren erfahren habe? Oder bin ich dir, Jesus, nützlich, wenn ich deine Worte bewahre und weitergebe, die du tief in meine Seele geschrieben hast? Ich weiß es nicht, ob du mich noch gebrauchen kannst. Ist deine Sache nun eine verlorene Sache? Es ist so dunkel um mich herum und in mir drin!

 

Als Letzter löscht er seine Kerze. Nur die Jesus-Kerze bleibt brennen.

Die Gemeinde singt zweimal: Bleibet hier und wachet mit mir ...

 

Mirjam: Wir verließen ihn alle und sind geflohen. Wir blieben nicht, weil unsere Angst größer war als der Mut. Schmerzhaft war diese Flucht für uns, weil wir eigentlich hätten bleiben müssen. Schmerzhaft war sie für den, der in dieser Nacht allein geblieben ist und uns so dringend gebraucht hätte.

 

Stille

 

Abschluss und Segen:

Alle haben Jesus verlassen damals – und heute?

Die Lichter sind erloschen.

Ein einziges Licht brennt noch: die Christuskerze.

Sie ist das Zeichen, dass Gott sein Licht nicht zurücknimmt,

auch wenn alle Welt ihm den Rücken kehrt.

 

Lasst uns in diese Nacht gehen, gesegnet von dem Gott, dessen Licht der Liebe nicht verlöscht.

 

Gott sei uns gnädig und segne uns.

Er lasse über uns sein Angesicht leuchten,

damit auf Erden sein Weg erkannt wird

und unter allen Völkern sein Heil. (Ps 67,2 – 3)

 

Alle: Amen

 

Nach dem Abschluss kann jede und jeder für sich noch in Stille bleiben –

die Texte nachklingen lassen und dann den Ort allein und in Stille verlassen.

 

 

In jeder Gemeinde gab es eigenständige Weiterentwicklungen. Der vorliegende Entwurf basiert auf der Liturgie der Klosterkirche Tübingen-Bebenhausen. Das Kolpingwerk Diözesanverband Würzburg feierte bei den Kar- und Ostertagen für Familien 2003 erstmals nach dieser Vorlage die Nacht der verlöschenden Lichter. Bearbeitung: Peter Langer

Text zum stillen Bedenken; Bleibet hier (von Matthias Simon)

 

Stunde für uns bestimmt,

Stunde des Leidens,

des Verlassenseins,

der aufziehenden Nacht,

ohne Sterne, ohne Grenzen,

ohne Schlaf.

 

Dir folgen auf dem Kreuzweg,

dem Sterbensweg,

dem Weg der Hingabe,

die alles zurücklässt.

 

Aber du kennst unsere Schwachheit,

unsere Hoffnungslosigkeit,

unsere Unfähigkeit zu leiden.

 

Wenn uns die Kraft verlässt,

unser Mut verschwindet,

wenn wir dem Leiden ausweichen,

dann sei du da.

Lass uns den Weg finden

in das Geheimnis,

in die Tiefe

der sich verschenkenden Liebe,

wie du sie uns vorgelebt hast.

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