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Roland Knott im Sommerinterview

Vor den Bergen des hessischen Kegelspiels
Vor den Bergen des hessischen Kegelspiels

Prälat, Kolpingbruder und Allroundtalent

Ein Leben mit Kolpinggeist, Spiritualität, Herz und Hand


„Du bist ein facettenreich geschliffener Hochkaräter!“ So bezeichnete Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke Roland Knott anlässlich seines diamantenen Priesterjubiläums im Jahr 2015.

Und all diesen Facetten in einem Porträt gerecht zu werden, ist nicht ganz einfach.

Geboren 1928 und ins Gymnasium eingeschult am 1. September 1939 (Ausbruch des 2. Weltkriegs) gab es in Rolands Leben erst einmal keine Gelegenheit zur Verwirklichung von Wünschen und Träumen. Es folgte die Einberufung zur Flugabwehr und ein Praktikum bei Henschel in Kassel im Lokomotivenbau. Der Weg als Ingenieur schien vorgezeichnet, doch es sollte ganz anders kommen wie so oft in seinem Leben.

Ein Oberst der amerikanischen Militärregierung beauftragte ihn, eine katholische Jugendarbeit aufzubauen und der Umgang mit jungen Menschen wurde fortan sein ständiger Begleiter. Er spürte, dass er lieber mit Menschen arbeiten wollte, als mit „kaltem Eisen“.

Durch Exerzitien kam er nach Fulda und ging dort 1949 ins Priesterseminar, so dass er 1955 zum Priester geweiht werden konnte. Nach einem Jahr Seelsorge in Kassel mit seinem ersten Kirchenbau, führte ihn sein Weg 1956 nach Fritzlar.

Dort kam er erstmals mit Adolph Kolping und seinem Werk in Berührung, eine Begeisterung, die ihn Zeit seines Lebens nicht mehr los lassen sollte.

„ An Adolph Kolping hat mich begeistert, dass er zu den Wandergesellen in die Elendsquartiere gegangen ist, um zu helfen. Als er eine Kirche für seine Gesellenvereine gesucht hat, gab er sich mit der Minoritenkirche zufrieden; damals eine verlassene Mönchskirche, die schon als Pferdestall und Hospital gedient hatte. Es störte ihn auch nicht, dass diese Kirche nicht mit Pfründen verbunden war, also kein Einkommen brachte. Sein Ziel war, eine Kirche für seine Gesellen zu haben und sie zur schönsten Kirche der Welt zu machen.“

Roland Knott wurde Präses der Kolpingsfamilie Fritzlar, bei späteren Stationen folgten Präsidesämter auf Orts-, Bezirks-, Diözesan- und Landesebene.

Doch zunächst gründete er in Fritzlar eine Jungkolpinggruppe, mit der er drei verschrottete Busse fahrbar machte und die jungen Menschen begeisterte. Dazu passt, dass er in dieser Zeit, wie auch später Jugendseelsorger im Dekanat wurde.

1964 wechselte er als Pfarrer nach Friedewald und Heringen, wieder in die Diaspora.

„Ich war Diasporapfarrer durch und durch“, erzählt Roland Knott.

Mit seinen dortigen Gemeindemitgliedern fuhr er nach Herbstein, wo man beim Aufbau der dortigen Ferienstätte mit Hand anlegte. Für den Bau der ersten Kolpingkirche der Welt in Herbstein war Roland Knott maßgeblich verantwortlich. Er wurde „Hauskaplan“ und hielt gerne im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten den Gottesdienst dort. Was folgte war eine lebenslange Verbundenheit, die auch durch Vertretung in verschiedenen Ämtern erfolgte.

Ein ganz anderer Lebensabschnitt begann 1972, als Roland Knott Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der Katholiken und Geschäftsführer des Bonifatiuswerks der Kinder in Paderborn wurde. Als Chefredakteur der Zeitschrift „Sternsinger“ (Auflage 1,2 Millionen) hatte er eine eigene Druckerei zu leiten und war verantwortlich für die Versorgung der europäischen Diaspora. Es war eine interessante Tätigkeit, aber nach seinen Worten auch „ein Knochenjob“.

1976 begann die Ära Roland Knott in Fulda. Als Oberstudienrat an der Eduard-Stieler-Schule war er bald Vorsitzender des dortigen Personalrats und setzte sich für über 140 Lehrer ein.

Den jungen Menschen gab er folgenden Rat mit, um sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken:

„Wer Du auch immer bist, vergiss nie, Du bist wer!“

Beim Kolpingwerk im Bistum Fulda wurde Roland Knott Diözesanpräses bis zum Jahr 1995 und gründete in dieser Zeit 16 Kolpingsfamilien (!).

Seine Devise war: Hingehen zu den Menschen und Mitstreiter finden. Angesprochen auf sein Lieblingszitat von Adolph Kolping sagt er:

„Unser Wahlspruch aber ist: Beten und lernen und arbeiten, alles mit Ernst und doch mit Fröhlichkeit.“

Und als Lebensmotto kann der Spruch von Adolph Kolping gelten:

„Du musst tüchtig sein als Geselle bei der Arbeit, Christ in der Kirche und Staatsbürger in der Gemeinde“

So war Roland Knott von 1976 – 2001 auch Vorsitzender des Kolpinghaus Fulda e.V. und mitverantwortlich für die verschiedensten Um- und Neubauten.

Von 1976 – 1994 leitete er das Jugendwohnheim des Kolpinghauses Fulda mit 23 Azubis, dazu 12 jugendliche Flüchtlinge des ersten Golfkriegs. Regelmäßige Besprechungen/Supervisionen mit den 4 Sozialpädagogen und die Zusammenarbeit mit dem Landesjugendamt Hessen prägten diese Arbeit.

Darüber hinaus war Roland Knott 12 Jahre im Generalrat des Internationalen Kolpingwerks vertreten.

Besonders nah kam er seinem Vorbild Adolph Kolping als Mitglied der Seligsprechungskommission. Am Tag der Seligsprechung am 27. Oktober 1991 führte er Regie in der Priestergruppe am Petersplatz in Rom.

In einem Alter, in dem andere in Rente gehen, packte er noch einmal eine ganz neue Aufgabe an, wieder voller Pioniergeist. Er wurde Polizeidekan im Bistum Fulda und in der hessischen Landespolizei. Hier mussten neue Strukturen aufgebaut werden.

Roland Knott hat noch viele weitere Facetten. Er komponierte und textete viele neue Lieder besonders auch für Kolping und aktualisierte das vorhandene Kolpingliedgut. Im Jahr 1979 schrieb er auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft der Präsides in Köln den Text für das neue Kolpinggrablied. Von ihm stammt auch die Litanei zum seligen Adolph Kolping.

Zeit seines Lebens malt er und schwimmt leidenschaftlich gern.

Ob Priester, Jugendseelsorger, Lehrer, Publizist, Dozent für Vertragsrecht oder Erwachsenbildung, Fachmann in der Verwaltung, Maler, technische, musikalische und kreative Begabung, Roland Knott ist ein wahres Allroundtalent. So hat er zum Beispiel die berühmte „Wartburgtür“, eine Original-Sakristeitür aus dem Museum der Wartburg aufwändig nachgeschnitzt und eine Meditation dazu geschrieben.

Es wundert nicht, dass er für seine zahlreichen Aktivitäten unendlich viele Auszeichnungen und Ehrungen bekommen hat. Hier seien nur die wichtigsten genannt:

1992 Verleihung des goldenen Ehrenzeichens des Kolpingwerks Deutschland

2004 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande, was sehr ungewöhnlich für einen Priester ist.

2011 Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens des Internationalen Kolpingwerks

Interessant ist, dass es viele Parallelen zwischen dem Leben Adolph Kolpings und dem Leben Roland Knotts gibt: Beide spätberufen, im Handwerk zuhause, Priester, Seelsorger, Publizisten, der Jugend zugewandt. Beide haben der Jugend eine Heimat gegeben und sich in der Gesellschaft engagiert. Spirituell und vielseitig, haben sie Spuren in der Welt hinterlassen.

Unvergessen ist auch Roland Knotts treue Wegbegleiterin und Kolpingschwester Agnes Lohmann, die ihn über 5 Jahrzehnte unterstützt hat und selbst ein Energiebündel und eine Powerfrau war.

Seit über vierzig Jahren lebt Roland Knott in Kirchhasel bei Hünfeld in der Vorderrhön und hat heute noch täglich Stapel von Post zu bearbeiten, denn sein Rat ist nach wie vor gefragt.

Auch Diözesanvorsitzender Josef Richter fand für Roland Knott die passenden Worte zu seinem diamantenen Priesterjubiläum: „Gott stellt jeden dahin, wo er ihn braucht – Wir danken Gott, dass er Dich in unsere Mitte gestellt hat!“

Text und Foto Porträt Roland Knott: Christina Nophut

Foto Diözesanpräsides: Kolpingwerk Fulda

Diözesanpräsides des Kolpingwerks Fulda (von links):Ehrendomkapitular Prälat Anton Schütz, Domkapitular i.R. Prälat Josef Mönninger und Msgr. Prälat Roland Knott mit dem damaligen stellvertretenden Bundespräses Msgr. Josef Hosp beim 150jährigen Jubiläum der Kolpingsfamilie Fulda-Zentral im Jahr 2005.

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