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Seliger Pater Engelmar Unzeitig CMM

Gehorsam gegenüber Gott wichtiger als gegenüber weltlicher Macht

Bei einem Bildungsabend der Kolpingsfamilie Hessisch Lichtenau wurde das Leben und Wirken von Pater Engelmar Unzeitig von Herrn Robert Richter, Waldkappel, vorgestellt.


Am 1. März 1911 wurde er als Junge unter fünf Geschwistern in Greifendorf bei Zwittau/Mähren geboren. Sein Taufname war Hubert. Seine Eltern hatten einen kleinen Bauernhof. Nach der Volksschule arbeitete er zunächst bei einem Bauern. Er verspürte aber das Verlangen Missionar und Priester zu werden. So meldete er sich bei den Missionaren von Mariannhill in Reimlingen/Bayern. Dort machte er sein Abitur und schloss sich nach dem Noviziat der Gemeinschaft an. Am 6. August 1939 wurde er zum Priester geweiht. Kurze Zeit später brach der Zweite Weltkrieg aus und verhinderte, dass Pater Unzeitig in die Mission gehen konnte. Zunächst war er Seelsorger in der Niederlassung der Mariannhiller in Österreich und betreute dort französische Kriegsgefangene. Im Herbst 1940 übernahm er die Pfarrstelle in Glöckelberg/Böhmerwald. Er setzte sich für die verfolgten Juden ein. Den Jugendlichen lehrte er, dass der Gehorsam gegenüber Gott wichtiger ist, als gegenüber weltlicher Macht. Am 21.April 1941 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet. Sechs Wochen war er im Gefängnis von Linz und wurde am 3. Juni nach Dachau verlegt. In Dachau stand das erste Konzentrationslager des Dritten Reiches. Dort wurde er in den Block der deutschen Geistlichen Nummer 26 eingewiesen und erhielt die Lagernummer 26147.

Die folgenden vier Jahre waren die Hölle. Aber es waren auch wertvolle Jahr für Pater Engelmar, denn er reifte zum begnadeten Seelsorger. Er übersetzte einen kleinen Katechismus ins Russische für die russischen Häftlinge. Auch gab er ihnen von den eigenen, knapp bemessenen Essensrationen Einiges ab. Freiwillig meldete er sich, als in den Baracken der Russen Flecktyphus ausbrach, um dort die Pflege zu übernehmen. Es war ihm bewusst, dass es auch für ihn der sichere Tod sein würde. Am 2. März 1945 erlag er der Seuche, an der auch sein Vater in russische Gefangenschaft gestorben war.

Weil andere Priesterhäftlinge den Kapo des Krematoriums kannten, gelang es die Leiche von Pater Engelmar einzeln verbrennen zu lassen und seine Asche aus dem Konzentrationslager zu schmuggeln. Über Umwege gelangte diese zu den Mariannhiller nach Würzburg. Dort wurde sie am Karfreitag 1945 beigesetzt.

Die Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens fand 1991 in Würzburg statt. Am 24. September 2016 wurde er im Dom von Würzburg selig gesprochen.

Vorstandsmitglied Manfred Kaib bedankte sich bei Herrn Richter für die umfangreich gemachten Ausführungen.

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