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„Watte aus den Ohren und in den Mund"

Quelle: Fuldaer Zeitung
Quelle: Fuldaer Zeitung

Monika Goldbach über das Verhältnis zwischen Eltern und Großeltern

Jede Generation hat ihre eigenen Vorstellungen von Erziehung. Davon, wie Kinder sich verhalten sollen, was sich gehört und was nicht. Was man erlauben kann oder besser verbieten sollte. Kein Wunder, dass es im Alltag zu unterschiedlichen Meinungen zwischen den Generationen kommt. Monika Goldbach (58) aus Bronnzell möchte Eltern, Omas und Opas in dem Kurs "Hand in Hand" die Gelegenheit bieten, ins Gespräch zu kommen.


Malte (6) jagt mit der Fliegenklatsche um den Tisch herum. "Gleich habe ich sie", ruft er den anderen zu, die belustigt zuschauen und es sich bereits am Esstisch gemütlich gemacht haben. 16 Uhr. Kaffee- und Kuchenzeit. Die anderen, das sind Jonas (sechs Wochen), Lars (2), Nela (4), Mutter Sarah (30), Opa Ulrich (59) und Oma Monika (58). Die drei Generationen leben in Bronnzell direkt nebeneinander und gestalten den Alltag gemeinsam. Die Kinder werden quasi generationenübergreifend erzogen.

"Früher, vor 40 oder 50 Jahren, wurden Kinder anders erzogen. Die sozialen Grundbedürfnisse des Kindes standen nicht so sehr im Zentrum wie das heute ist. Heute schauen Eltern und Großeltern genauer, was das Kind wirklich braucht und wie es in den verschiedenen Situationen reagiert", erklärt Sozialpädagogin und Erzieherin Monika Goldbach, die neben ihren vier Enkelkindern auch selbst drei Kinder hat. Sie findet, für Kinder ist die Beziehung zu den Großeltern eine ganz besondere. Und für sie selbst gibt es fast nichts Schöneres, als Oma zu sein. "Ich merke das auch in vielen Gesprächen mit älteren Menschen. Die Sehnsucht nach Enkelkindern ist groß", sagt Goldbach. Vor wenigen Tagen erst war die 58-Jährige mit zweien ihrer Enkelkinder zum Campen in der Rhön. "Das schweißt richtig zusammen. Und man kann diese gemeinsame Zeit so toll gestalten", findet Goldbach. Auch Nela ist noch ganz begeistert. "Ich habe sogar ein Lama geführt", erzählt sie.

Damit das Zusammenleben zwischen Eltern, Großeltern und Enkelkindern gelingt, gilt es jedoch, einige Regeln zu beachten. "Großeltern müssen lernen, sich zurückzuhalten. Ich gebe ihnen immer den Rat: ‚Nehmt die Watte aus den Ohren und steckt sie in den Mund‘", sagt Goldbach und lacht. "Manchmal gibt es Dinge, die einem so nicht gefallen. Dann muss man überlegen, wie man sich einbringt, um nicht in die Rolle der Belehrenden zu fallen", erklärt die58-Jährige.

Gibt es Unklarheiten, sei es sinnvoll, sich in einer ruhigen Minute zusammenzusetzen und über das Problem zu sprechen. Denn: "Reden und Absprachen sind das A und O", findet Goldbach. Dass es hier und da unterschiedliche Ansichten in der Erziehung gibt, sei ganz normal. Totale Harmonie ist gar nicht möglich, darüber sollten sich alle im Klaren sein. Auch Familie Goldbach kennt solche (Konflikt)-Situationen. "Dennoch sollten sich Großeltern an die Regeln halten, die die Eltern aufstellen. Vertrauen ist ganz wichtig", ist sich die Erzieherin sicher. Ein Beispiel: Soll das Kind keinen Apfelsaft bekommen, haben das auch Oma und Opa einzuhalten – "ohne Wenn und Aber", findet Goldbach.

Sie und ihr Mann Ulrich haben sich von Beginn an viel um ihre Enkelkinder gekümmert. "Wenn Sarah und deren Mann Nachwuchs bekommen haben, habe ich mir bewusst mehr Zeit für die Betreuung der Kinder eingeräumt. Kochen, Spielen, vom Kindergarten abholen – das volle Programm", erinnert sich Goldbach. Funktioniert habe das vor allem deshalb, weil sie sich immer wieder aufs Neue abgesprochen haben. "Und weil wir auf einer Wellenlänge sind", steuert Tochter Sarah bei.

Familie steht bei den Goldbachs an erster Stelle. Die Zeit mit den Enkelchen möchte Monika Goldbach nicht missen. "Diese Zeit kann man noch einmal ganz anders und intensiver genießen als mit den eigenen Kindern."

Quelle: Fuldaer Zeitung